Donnerstag, 9. September 2010

Indien, die vierte Woche!

Hallöchen!!

Momentan befinden wir uns in Goa! Da unsere Tage hier sehr gemütlich sind und es nicht viel zu erzählen gibt, zeige ich euch einfach ein paar Bildern von dem wunderschönen Strand hier im Westen Goa´s. 


Witzigerweise sieht man hier die Kühe sogar am Strand! 
Hier sieht man, dass das Wetter durch den Monsun nicht immer so schön war. Trotzdem war es teilweise richtig schwül und warm. Und komischerweise muss man, obwohl es bewölkt war, unheimlich aufpassen, dass man nicht rot wird - die Sonne ist hier so stark. 


So, das wars erst einmal von mir aus Goa. Das sind nun nicht sehr viele Bilder, aber da es hier die meiste Zeit bewölkt ist, konnte ich nicht sehr viele schöne machen. Vielleicht schaffe ich das noch morgen. 

Ihr hört bald wieder von mir!
Denn ab Samstag bin ich dann endlich im Projekt!


Viele liebe Grüße aus Indien,
eure Lisa

Montag, 6. September 2010

Indien, dritte Woche!

Hallo nach Deutschland!

Und schon ist die dritte Woche in Indien herum! Diese Woche waren wir in den Bergen Südindiens, um dort unsere Trekkingwoche zu machen. Wir sind am Montag um ungefähr acht Uhr losgefahren, Sally und ich hatten nicht unbedingt sehr viel geschlafen – wir sind ja erst in der Nacht in Mysore angekommen von unserem Wochentrip durch Indien – und trotzdem mussten wir uns schon wieder in einen Bus quetschen. Wir sind alle davon ausgegangen, dass es ein größerer Bus sein wird, in dem wir die Fahrt über auch etwas schlafen können. Als wir dann aber in der hintersten Bank zwischen drei anderen Personen mit sehr wenig Platz saßen, stellten wir fest, dass es irgendwie doch schlimmer kommen kann, als man oft denkt. Natürlich mussten wir beide darüber lachen, dass wir schon wieder auf engstem Raum saßen und das nach unserer über 24-Stunden langen Zugfahrt von Mumbai nach Bangalore.
Glücklicherweise verging die Fahrt sehr schnell und so waren wir nach ungefähr vier Stunden in Mudumalai, mitten in den Bergen. Wir bezogen unsere Lodge und schon ging es weiter zu einer Bussafari durch die Wälder. Wir sahen einige freilaufende Elefanten, Rehe und andere kleine Tiere, leider keine Tiger. Außerdem liefen wir zu einem Fluss, an dem die Elefanten gewaschen werden: die Besitzer machen dies zwei mal am Tag mit diesen riesigen Tieren. Ziemlich erschreckend war, als Ash uns erklärte, dass die Menschen, die dort leben, ihre Tiere in dem Fluss waschen, ihre Klamotten und dass sie auch dieses Wasser trinken. Und das Wasser war braun!
Danach fuhren wir wieder in unsere Lodge und zogen uns ziemlich schnell warme Klamotten an, im Vergleich zu Mysore war es hier wirklich kalt: ich hatte eine Strumpfhose an, Jeans, eine dicke Weste und meine Regenjacke. Im Vergleich zu Mumbai, wo es wirklich so heiß war, war das nun ein riesen Temperaturschock.
Nachdem es dann dunkel war (was hier sehr schnell geht: innerhalb von 15 Minuten eigentlich), wurden wir von einem Jeep abgeholt und los ging es zur Nachtsafari. Der Fahrer versprach uns, dass wir sicher Tiger sehen würden, stattdessen sahen wir wieder einige Wild-Elefanten, Bisons, Rehe und Hasen. Der Tiger hatte sich wohl vor uns versteckt… 
Am nächsten Morgen (wir hatten die ganze Nacht über keine Elektrizität) ging es relativ früh los zur Elefantensafari: wir saßen zu viert auf einem Elefanten und ritten durch die dicht bewachsenen Wälder.
Anschließend ging es mit einem Jeep weiter in Richtung Sultanbanthery, einem kommunistischen Staat in Indien, wo wir dann drei Nächte bleiben sollten. Das erste was wir taten, war erst einmal unsere Wäsche von den ganzen zwei Wochen zu waschen – im Eimer natürlich. Duschen mussten wir auch mit einem kleinen Eimer, die Brause hat nicht so wirklich funktioniert. Sehr abenteuerlich also!

Am Mittwoch ging es dann zu einem Käfig, in dem früher Menschen lebten: hierfür mussten wir ziemlich viele Stufen beziehungsweise Steine hochklettern. Die Aussicht von dort oben drängte die ganze Anstrengung dann wieder in den Hintergrund.










Mit dem Jeep fuhren wir dann weiter zu einem kleinen Wasserfall.


















 Und danach, zu einem weiteren Wasserfall!












Am Donnerstag ging es dann zuerst zu einem kleinen See, wo wir Tretboot gefahren sind, danach zu einem wunderschönen Aussichtspunkt, bei dem man die wunderschönen Berge sehen konnte, und schließlich fuhren wir zum letzten Wasserfall der Woche.
Wir mussten erst einmal durch Tee- und Kaffeeplantagen laufen, dann ging es ein bisschen bergab und schließlich war ein bisschen klettern angesagt. Wir kletterten mit einem Führer über Steine durch die Subtropen, es war wirklich schön, aber trotzdem haben mir teilweise die Knie gezittert. Man musste sich oft an einem Seil festhalten, um nicht abzurutschen oder überhaupt weiter zu kommen. Nach ungefähr 45 Minuten kamen wir dann unten an und standen vor dem relativ hohen Wasserfall. Die Kletterei und Anstrengungen hatten sich wirklich gelohnt, ein so schöner Wasserfall zwischen all den schönen Bergen total versteckt.





Am nächsten Tag ging es dann zurück nach Mysore. Über die Busfahrt gibt es ausnahmsweise nichts spektakuläres zu berichten.
In Mysore (Sally und ich finden, dass es schon ein zweites Zuhause für uns ist: es gibt hier einen Megastore, in dem man einfach ALLES kaufen an. In vielen Orten gibt es keine richtigen Supermärkte, deshalb ist es wie ein kleines Paradies für uns) hatten wir dann das Wochenende frei.

Am Freitagabend waren wir dann mit Julia und Sid, den zwei anderen Volontären, die auch die Trekkingweek mit uns gemacht haben, beim Essen: LASAGNE und andere westliche Gerichte. Unglaublich oder? Eigentlich mag ich es immer nicht so, wenn Touristen in einem fremden Land nicht auf ihre eigene Küche verzichten können. Aber in dem Fall sind wir wohl schon genauso geworden: das indische Essen ist doch nicht soo vielfältig und es ist wirklich schön, auch mal etwas "normales" zu essen.
Am Samstag waren wir dann in einem relativ teuren Hotel beim frühstücken (auch wieder ein Continental Breakfast) und danach noch beim Schwimmen.

Und schon ging es am Sonntag auf zur Beachweek nach Goa.

Das erzähle ich euch aber bei meinem nächsten Blogeintrag!

Liebste Grüße aus dem fernen Indien,
eure Lisa

Indien, zweite Woche!


Hallo meine Lieben!!

Momentan (Samstag, 28. August 22:20) sitze ich mit Sally im Zug Richtung Bangalore. Wir sind in einem Schlafzug, sehr komfortabel für indische Verhältnisse – und vor allem sicherer als die niedrigeren Klassen.
Ich fange aber erst einmal von vorne an, warum wir eigentlich im Zug Richtung Bangalore sitzen.
Angefangen hat eigentlich alles am Freitag vor einer Woche. Da erklärte uns Ash, der Koordinator unseres Projektes, dass momentan im Projekt nur ein freier Platz sei. Da Sally und ich aber unbedingt zusammen in ein Projekt wollten, machte er den Vorschlag, dass wir uns doch eine Woche freinehmen und auf eigene Faust herumreisen. Wir waren natürlich von dem Vorschlag sofort begeistert – schon in der zweiten Woche mehr von Indien sehen!! Wow… Da jedoch alles sehr spontan war, überlegten wir erst einmal, wo unser Kurztrip denn beginnen soll. Also kamen wir auf die Idee, erst einmal nach Delhi, im Norden Indiens, zu fliegen. Ash hat uns ein paar Fluggesellschaften vorgeschlagen, mit denen wir nach Delhi fliegen können. Da im Internet jedoch alles sehr teuer war, sind wir noch am Samstagabend spontan von Mysore nach Bangalore gefahren, um dort direkt am Flughafen nach Flügen zu schauen. Dort angekommen herrschte bei uns beiden erst einmal Orientierungslosigkeit, welcher Flug, welche Fluggesellschaft, wo bucht man das? Nach längerem Herumfragen entschieden wir uns also für „Indigo“, die Maschine sollte um sechs Uhr in der Früh starten. Wir waren ziemlich froh, endlich im Flughafen zu sitzen und haben dort dann die Zeit bis sechs Uhr morgens tot geschlagen. Nach zwei Stunden und 45 Minuten kamen wir dann in Delhi an – wir waren total kaputt! Nachdem wir im Hotel in Delhi ankamen, fuhren wir direkt weiter in die Stadt rein, wir saßen keine fünf Minuten später in einem Touristenbüro, in dem uns ein Mann ein Angebot für eine Reise machte, die in Delhi beginnen sollte, weiter nach Agra zum Taj Mahal, dann nach Jaipur, von dort aus weiter nach Mumbai und letztendlich zurück nach Bangalore. Schaut man sich das alles auf der Karte an, sieht man, dass die Reise also quer durch Indien gehen sollte.
Die Reise begann also schon in Delhi, sind dort mit einem „persönlichen“ Taxidriver durch die Stadt gefahren. Da wir jedoch total müde waren und für viele Monumente nicht so großes Interesse gezeigt haben, ging das relativ schnell – der Höhepunkt war dann der McDonalds in der Stadt, wir waren total hungrig, nach etwas westlicherem… Delhi hat uns im Allgemeinen überhaupt nicht gefallen, dort fiel uns als erstes die Armut auf: neben riesigen Gebäuden stehen einfach Plastikhütten, die Menschen hängen ihre Wäsche mitten auf einer vielbefahrenen Straße auf, irgendwie unvorstellbar. Alles wirkte sehr unpersönlich und auch der Taxidriver erklärte uns, dass Delhi nur eine Stadt sei, in der man Geld machte – und man sieht hier auch den großen Kontrast zwischen Arm und Reich. 
Wir kamen also relativ früh wieder im Hotel an, was auch sehr gut war, denn wir waren total müde (hatten ja noch gar nicht so richtig geschlafen). Wir blieben dann den restlichen Nachmittag auf unserem Zimmer und als wir abends im Bett lagen, konnten wir beide nicht einschlafen. Wir waren uns total unsicher, ob wir mit der Reise und dem Geld, das wir bezahlten, auch die richtige Entscheidung getroffen hatten.
Am nächsten Tag ging es relativ früh los – nach Agra zum Taj Mahal. Nach einer vierstündigen Fahrt, gingen wir erst einmal essen: Spagetti! Ja, das hört sich komisch an, warum Spagetti in Indien… doch irgendwie bekommt man schon nach kurzer Zeit Lust auf etwas anderes. Das Essen in Indien ist zwar schon vielfältig, doch man isst alle Zutaten mit verschiedenen Arten von Brot oder Reis – und das täglich drei Mal.
Nach unserem leckeren Essen, liefen wir dann zum Taj Mahal. 

Und es ist wirklich so, es ist UNGLAUBLICH! Man steht davor und muss staunen, ich finde, es haut einen förmlich um. Denn das Taj Mahal steht irgendwie total im Kontrast zu dem Rest von Indien, einerseits Armut und andererseits das Taj Mahal, das Wohlstand ausstrahlt. Trotzdem, es war einfach wunderschön, davor zu stehen. Auch wenn es plötzlich anfing zu regnen – es hat in Strömen geregnet, sodass wir komplett durchnässt waren.  


 

Am nächsten Tag ging es dann mit unserem Taxidriver weiter nach Jaipur, zwischendrin noch eine Tour mit der Rikscha durch einen Nationalpark. Nach ungefähr sieben Stunden kamen wir dann dort an: Jaipur ist anders, es ist mehr muslimisch und die Stadt besteht mehr aus Häusern, die irgendwie arabisch aussehen. 
Nach Kamelreiten und Besuchen einer Fabrik, die Saris, Bettdecken und viele andere Sachen herstellt, ging auch der Tag in Jaipur sehr schnell vorbei. Am nächsten Tag sahen wir dann einen Tempel und auch hier war es anders, eine total andere Atmosphäre als in den hinduistischen Tempeln.
Wir fuhren noch ein bisschen herum und besuchten einen weiteren Tempel. Ich glaube, nach so vielen Tempeln reicht es für die nächsten zwei Monate dann auch mal wieder, sie sind zwar sehr schön, aber teilweise ähneln sie sich doch sehr. 
Am Donnerstag ging es dann mit dem Zug nach Mumbai – wir fuhren mit einem Schlafzug, die Zugfahrt war nicht so spektakulär wie man sich das Zugfahren in Indien sonst vorstellt. Wir waren in der höchsten Klasse, alles andere wäre erstens zu gefährlich gewesen und zweitens einfach unangenehm: 24 Stunden nur sitzen ohne zu schlafen.
 Ja, die Zugfahrt hat 24 Stunden gedauert, eigentlich auch nur, weil der Zug nicht schneller als 50 km/h fährt. Nichtsdestotrotz war es teilweise abenteuerlich für uns, die vielen Leute an den Bahnsteigen zu sehen, die Gerüche wahrzunehmen.
Nach unzähligen Stunden kamen wir dann in Mumbai an… und waren erst einmal aufgeschmissen. Wir dachten eigentlich, dass dort ebenso ein Taxidriver auf uns wartet und uns zum Hotel bringt. Doch irgendwie hatten wir da anscheinend falsch gedacht. Das Problem war, dass wir nicht einmal den Namen von dem Hotel wussten. Also gingen wir wieder zurück in den Bahnhof und riefen von dort aus das Touristenbüro an. Uns wurde dann erklärt, wo wir hinmüssen und so gingen wir wieder raus zu den tausenden von Taxifahrern, die alle auf uns zusprangen und wollten, dass wir mit ihnen fahren. Ziemlich anstrengend, um ehrlich zu sein!
Nach einer Stunde kamen wir dann im Hotel an und wurden erst einmal von dem Taxifahrer abgezockt… Wir riefen gleich bei dem Touristenbüro an, um unser Geld wieder zurück zu bekommen, denn eigentlich dachten wir ja, dass dort jemand auf uns wartet und wir hatten ja eh schon genug Geld für alles ausgegeben. 
Unser Zimmer in dem Hotel war etwas herunter gekommen, das Badezimmer stank nach Fisch und an den Wänden blätterte die Farbe ab. Aber, man stellt sich auf all das schnell ein, auch auf eine kalte Dusche oder mit einem Eimer zu duschen.
Wir beschlossen nach kurzer Zeit, dass wir so schnell wie möglich die Stadt sehen wollten und liefen erst einmal etwas herum. Plötzlich sprach uns ein älterer Mann an, wir waren erst einmal misstrauisch, denn nach vielen Abzocken und Menschen, die einem irgendwie doch nur das Geld aus der Tasche ziehen wollen, waren wir uns wirklich total unsicher. Wir fragten ihn nach dem „Gateway of India“ und er begleitete uns dort hin.
 Wir fragten ihn einige Dinge über Mumbai - letztendlich saßen wir dann in einem Café und er erklärte uns einige sehenswerte Dinge über die Stadt. Wir waren etwas skeptisch, warum er das tat. Vielleicht war es auch ein bisschen leichtsinnig von uns, einfach mit ihm mitzugehen, aber nach dem Tag stellte sich heraus, dass Sally und ich noch nie eine Person wie Pervez kennen gelernt hatten. Wir verbrachten den restlichen Tag mit ihm: wir fuhren mit dem Taxi (in Mumbai fahren mehr Taxis als Rikschas) an einen Strand, von dort konnten wir dann die Skyline von Mumbai sehen, faszinierend mit den hohen Häusern.
Ich muss nebenbei noch anmerken, dass Mumbai (die Inder sagen eher Bombay) anders ist, als man denkt!! Die Stadt ist wirklich schön, ja…das hört sich irgendwie anders als erwartet an. Doch Tatsache ist, dass Mumbai eine Stadt ist, die sich am weitesten entwickelt hat. Man sieht hier natürlich eine immense Armut, immerhin ist dort der größte Slum Asiens, doch neben all dem, sieht man schöne Häuser, Häuser, die sehr britisch aussehen und ein Zentrum, das einen eher an England erinnert, als an Indien. Es ist schade, dass viele diese Stadt mit der puren Armut verbinden: denkt man an Mumbai, so assoziiert man das doch irgendwie mit armen Menschen, die auf den Straßen verhungern, oder? 

Pervez hat uns erklärt, dass das nicht so ist, klar, dort herrscht Armut, aber die Menschen finden sich damit ab, auch Kinder aus den Slums können zur Schule gehen. Es ist grausam, diese Blechhütten zwischen hohen Häusern zu sehen, doch irgendwie macht es einen anderen Eindruck als in Delhi. Wir waren auch bei den Wäschereien, die inmitten der Stadt liegen – dort waschen die Leute die Wäsche vieler Bewohner, teils von Menschen aus den Slums, teils von Wohlhabenderen. Vielleicht kennen viele von euch die Szene aus „Slumgdog Millionaire“ – es ist keine normale Wäscherei, sondern auch inmitten von Blechhütten. 
Nachdem wir also diese Tour durch Mumbai mit Pervez hatten, verabredeten wir uns mit ihm für den nächsten Tag. Unglaublich, einen Menschen zu treffen, einfach auf der Straße, und er macht all diese Dinge für jemand. Einfach umsonst! Er hat mit uns ganze zwei Tage verbracht, hat uns total viel von der Stadt gezeigt und er gab uns immer das Gefühl, dass wir uns auf gar keinen Fall ihm gegenüber schuldig fühlen sollten. Wir waren wirklich total überwältigt… Auch am Samstag sahen wir noch einiges von Mumbai: wir saßen ziemlich lange an einem wunderschönen Strand, hier war total viel los und die Sonne brannte uns auf den Kopf. Pervez, ein weit gereister Mensch (Malaysia, Thailand, China, viele Teile Europas, Südamerika, Amerika, etc. …), erzählte uns viel von seinem Leben in Indien, den Menschen und ihren Sitten. Für uns war es natürlich sehr spannend, zuzuhören – denn bisher hatten wir noch nicht die Gelegenheit, so viel vom indischen Leben zu erfahren.
Der Tag ging ziemlich schnell vorüber und auch am Ende des Tages begleitete uns unser neuer indischer Freund zum Bahnhof – und hier herrschte CHAOS. Hier konnte man doch eher das wahre Zugfahren Indiens erleben – so viele Menschen warteten auf verschiedene Züge, viele lagen auf den Böden und schliefen einfach dort. Unglaublich, wenn man an die Bahnhofsverhältnisse in Deutschland denkt.
Nach langer Suche (wir stellten fest, dass wir keine reservierten Sitzplätze hatten…wir mussten also zu einem Schalter gehen und glücklicherweise bekamen wir unsere zwei Plätze) saßen wir dann endlich im Zug, total kaputt und verschwitzt von der brütenden Hitze in Mumbai.

Mumbai hat wirklich schöne Strände,
das denkt man nicht, oder?














Die Zugfahrt war ziemlich anstrengend… über 24 Stunden auf engstem Raum mit so vielen anderen Menschen, zwar konnte man auch schlafen, doch nach so langem Liegen und Sitzen, fängt der Rücken irgendwann an zu schmerzen.
Wir waren dann am Sonntagabend auch wirklich froh, in Bangalore angekommen zu sein. Dort mussten wir erst einmal einen Bus finden, der nach Mysore fährt. Die Busstation ist ebenso chaotisch, ich weiß nicht wie viele Busse dort stehen, aber bestimmt um die 50 Busse, die in die verschiedensten Städte fahren. Irgendwann fanden wir dann auch einen passenden mit Klimaanlage, das braucht man auch, denn ohne ist es erstens zu heiß und zweitens eine bessere Gelegenheit für Moskitos, zu überleben.
Wir kamen dann um drei Uhr in der Nacht in Mysore an, fuhren zu unserem Hotel und lagen dann um vier Uhr im Bett – erleichtert und glücklich, dass wir all das alleine in Indien geschafft hatten. Und das schon in der zweiten Woche!

Dinge, die sich vielleicht manchmal einfach anhören, können in Indien schwieriger sein, als man denkt! Sally und ich kamen uns oft überrumpelt und abgezockt vor, das muss man ganz ehrlich sagen: wir standen zum Beispiel mit Pervez Auto auf einem Parkplatz und der Wächter meinte doch tatsächlich, dass er mehr bezahlen soll, weil zwei weiße Personen im Auto sitzen. Man kommt sich durch so etwas teilweise überrumpelt und missverstanden vor. Natürlich haben westliche Menschen im Vergleich viel mehr Geld, doch es geht nicht, überall mehr zu bezahlen, nur weil wir weiß sind. Das sind die Nachteile, doch man sieht, dass man in Indien auch einfach auf unglaublich nette und hilfsbereite Menschen stößt, die einfach mal zwei Tage mit einem verbringen! Habt ihr so etwas schon einmal in Deutschland erlebt?
Auch im Zug saßen Männer und Frauen, die sich zu uns gesetzt haben, mit uns geredet haben, sich total für uns interessierten, oder uns einfach nur nett angelächelt haben. In solchen Momenten fühlt sich das, was man erlebt, einfach unglaublich an. Man bekommt die Bestätigung, dass der Kulturschock, den man auf sich genommen hat, auch seine wirklich positiven Seiten hat.
Armut und Wohlstand sind zwei Begriffe, die in Indien nah beieinander stehen. Nicht nur in Mumbai, sondern auch in vielen andern Städten, die wir bisher gesehen haben. Doch man darf Indien nicht als ein schlechtes Land abstempeln!!

So, das war nun wirklich sehr sehr viel zu lesen! Ich hoffe, ihr seid auch bis zum Ende angekommen.
Eigentlich könnte ich noch so viel mehr schreiben, doch das habe ich schon in meinem letzten  Blogeintrag gesagt, Indien muss man erleben. Erzählungen hören sich zwar immer interessant an, doch man versteht das wirklich alles erst, wenn man hier ist!

Viele liebe Grüße aus Indien sendet euch,
Eure Lisa

Donnerstag, 19. August 2010

Meine ersten Erlebnisse!!


Hallo ihr Lieben!
Nun bin ich schon seit vier Tagen in Indien – das hört sich nicht wirklich sehr lange an, aber bei den Eindrücken, die ich bisher sammeln durfte, bin ich selbst überrascht, dass das alles in nur vier Tagen war.

Angefangen hat das Abenteuer eigentlich schon am Flughafen in Bangalore. Als Sally und ich ankamen, liefen wir erst einmal hinaus (wahrscheinlich sehr auffällig, als die einzigen zwei hellen) und wurden gleich von zwei Indern erkannt. Höchstwahrscheinlich von der Organisation Greenlion – der Partnerorganisation von Multikultur aus Deutschland – letztendlich wissen wir das jedoch nicht, da die beiden nicht sehr gut Englisch gesprochen haben. Es war noch ein anderer Volontär, der Sid heißt, dabei. Wir drei standen mit unseren riesen Rucksäcken vor einem kleinen Auto, habe mich dann natürlich gleich mal gefragt, wie wir diese drei Rucksäcke da rein bekommen. Aber ganz einfach, einer landete im Kofferraum, die zwei anderen auf dem Dach. Nicht wirklich festgebunden oder sowas…J
Schon die Fahrt war spektakulär, einmal der Linksverkehr und zum anderen das Durcheinander, Regeln scheint es nicht wirklich zu geben, man fährt hier einfach, wie man es für richtig hält. Es gibt zwar zwei Spuren, aber die scheinen irgendwie überflüssig. Und Hupen gehört natürlich  dazu – die Inder hupen nicht, weil sie sich vielleicht über den Vordermann aufregen, sondern einfach grundlos. Dementsprechend ist es natürlich total laut. Man gewöhnt sich aber so schnell daran, dass es mir jetzt schon komisch vorkommt, wenn ich kein Hupen höre.
Wir sind also nach Bangalore gefahren und kamen in eine Unterkunft, wo alle angekommene Volontäre schlafen: Helen aus England, Lara aus Berlin, Julia aus Berlin, Sid, Sally und ich. Die drei Mädchen und ich sind abends noch etwas durch Bangalore gelaufen…die Stadt ist einfach unheimlich belebt, alle Menschen stehen draußen auf den Straßen, es laufen unzählige freilaufende Hunde herum  und natürlich waren wir als vier hellhäutige Mädchen sehr auffällig. 

 














Am nächsten Tag trafen wir dann Ash, unseren Koordinator, und sind mit ihm nach Mysore gefahren. Eine vierstündige Fahrt ungefähr. Die meisten haben geschlafen, aber durch die vielen Eindrücke war mir nicht wirklich nach Schlafen und ich habe während der Fahrt einfach alles, was draußen so passierte, beobachtet. Armut, wie man sie vielleicht von Indien „kennt“ (beziehungsweise vielleicht wie in Mumbai die Slums) gibt es hier nicht so sehr, man sieht zwar vereinzelt Blechhütten, aber es hält sich in Grenzen.
Während der Fahrt hat es zwar einmal stärker geregnet, doch der Monsun scheint hier entweder schon größtenteils vorbei zu sein oder ist einfach nicht so stark.
In Mysore angekommen, wurden wir natürlich sofort von süßen indischen Schulmädchen gemustert, da wir natürlich alle zusammen sehr auffällig waren. Dann ging es mit den Rikschas weiter zu unserem Hotel, das im Zentrum von Mysore liegt. Abends sind wir dann zum ersten Mal richtig Indisch essen gegangen – nicht sehr scharf, denn scharf hat hier wirklich eine andere Bedeutung als bei uns!
Am Montag saßen wir dann wie von Ash verlangt pünktlich um halb zehn unten im Hotel und warteten…. Auf Ash :-P Inder sind unpünktlich..oder vielleicht nicht unpünktlich, aber sie nehmen es einfach nicht so ernst mit der Zeit wie die Deutschen beziehungsweise Europäer. Habe mich schnell daran gewöhnt, und frage mich bereits jetzt, ob ich es nach den sechs Monaten in Deutschland schaffe, pünktlich zu erscheinen J Er hat uns ein bisschen über das Projekt, bei dem wir ab Sonntag dann sind, erzählt. Sally und ich sind doch nicht all zu weit von Mysore entfernt, was sehr gut ist, dann können wir doch mehr unternehmen und sitzen nicht nur in einem kleinen Dorf fest.
Später sind wir dann noch auf den Markt gegangen – ein sehr verwinkelter Markt mit ganz vielen kleinen Räumchen, in denen total viele Inder sitzen und irgendwelche Früchte, Blumen, Öle oder ähnliches verkaufen.

 Es ist ziemlich durcheinander und viel los – natürlich wurden wir hier schon von dem ersten Bettlermädchen angesprochen.Sie hatte große schöne Augen und sie tat uns so unglaublich leid, Helen gab ihr ein paar Rupien, was für uns einfach so wenig Geld ist, aber uns wurde trotzdem gesagt, wir sollen diesen Kinder nichts geben. Das Herz tut aber einfach weh, wenn so ein Kind vor dir steht und du gibst ihm nichts. Das Problem ist eben, dass viele Kinder dieses Geld abgeben müssen, selbst also nicht wirklich davon haben. Und fängt mal einmal an zu geben, so kann man schlecht nein sagen… Und von Bettlern beziehungsweise armen Leuten, die irgendetwas verkaufen wollen, gibt es sehr viel. Nachdem wir dann aus dem Markt draußen waren, kam noch der Fisch- und Fleischmarkt – absolut eklig!! Das Fleisch hängt hier einfach an Stangen, es ist zwar nicht total heiß, aber trotzdem schlecht für Fleisch und Fisch. Es stinkt einfach widerlich und ich frage mich nachwievor, wie man so etwas kaufen kann. Ich habe mich auf jeden Fall entschieden, das halbe Jahr kein Fleisch zu essen: Vegetarier leben hier einfach, es gibt hier unzählige vegetarische Gerichte. Heute (Donnerstag) waren wir in einem „richtigen“ indischen Restaurant und haben von einem Blatt gegessen – mit den Fingern. Anfangs habe ich noch mit dem Löffel gegessen, irgendwann dann auch mit der rechten Hand (die Linke ist die unreine bei den Indern– und damit meine ich wirklich UNREIN: hier wird kein Toilettenpapier benutzt…das erste, was wir getan haben, war natürlich Klopapier zu kaufen)… aber Reis mit der Hand zu essen, ist schwieriger als gesagt, außerdem kommt man sich doch irgendwie vor, als wäre man ein Schwein.
Gestern und heute hatten wir dann schon zwei Yoga-lessons. In Deutschland habe ich auch mal Yoga gemacht, aber das war mehr Entspannung als Gymnastik: hier sind es einfach Dehnübungen. Weshalb ich auch jetzt einen Muskelkater habe…Ich denke, ich werde vielleicht in dem halben Jahr eher Meditation machen, ist mehr entspannend als anstrengend. 
Heute waren wir dann auch noch im Mysore Palace – ein riesen Palast, der erst hundert Jahre alt ist und total riesig und unwirklich wirkt.
Morgen laufen wir auf einen Berg hoch, ich weiß nicht mehr, wie der heißt, aber es sind ziemlich viele Stufen und von dort oben hat man eine super Aussicht, ich bin also schon sehr gespannt.
Am  Samstag, unserem freien Tag, werden wir wahrscheinlich einen Ausflug machen, die ganze Gruppe von uns Volontären.

So, das wars erst mal von mir, ist ja nun auch ziemlich viel zu lesen. Ich könnte noch viel mehr schreiben,  es gibt hier einfach so viel zu sehen. Alles ist unheimlich bunt, lebhaft, die Kühe laufen frei herum wie die Katzen bei uns, der Verkehr ist einfach unglaublich mit so vielen Rikschas, Autos, Kühen, Pferden, Fahrrädern, Menschen, die irgendetwas hinter sich herziehen und so weiter. Und natürlich sind alle bisher sehr freundlich gewesen, viele fragen, woher wir kommen. Viele Inder schauen uns an, manche starren schon fast. Die meiste Zeit lächle ich einfach zurück und bekomme eigentlich immer ein Lächeln zurück.
Bisher haben mich schon viele Frauen angeschaut und gemustert, ich lächle sie an und bekomme ein total freundliches Lächeln zurück – ich weiß nicht, ob ich in Deutschland einfach auf der Straße anlächeln könnte und solch ein freundliches Lächeln zurück bekommen würde.

Es ist schade, dass viele Leute in Deutschland so negativ über Indien denken, denn die Menschen hier scheinen sich hier mit ihrer Lebenssituation abzufinden. Natürlich ist es für uns erschreckend zu sehen, wie viel Müll hier herumliegt und wie die Menschen mit ihrer Umwelt umgehen, man fühlt sich schlecht, wenn man ein Papierchen auf den Boden wirft – aber die Menschen scheinen eigentlich glücklich zu sein, weil sie sich mit dem abfinden, was sie haben.

Es ist wirklich so, Indien ist anders und man muss es einfach erleben!!!

Viele Grüße aus dem fernen Indien sendet euch Lisa!

Samstag, 14. August 2010

Mein letzter Tag!

Hallo ihr Lieben!

Der Rucksack ist gepackt (unglaublich, dass alles rein gepasst hat), Skype zum ersten mal getestet und alle lieben Menschen um mich herum sind verabschiedet.
Auch wenn mir letzteres sehr schwer fiel - nach vielen Tränen, die ich nun vergossen habe, bin ich auch ein wenig froh, morgen abreisen zu können. Eine Woche länger und ich hätte es mir wahrscheinlich wieder anders überlegt.

Ich möchte mich noch bei euch bedanken - es tut wirklich gut, zu wissen, dass ihr alle an mich denkt und mich unterstützt!!
Umso mehr tut es weh, alle lieben Menschen ein halbes Jahr nicht um mich herum zu haben.
Mein Papa versucht natürlich nachwievor, mich umzustimmen, dass ich doch hier bleibe - aber mein Vorhaben, ein halbes Jahr "Goodbye Germany" zu sagen, steht. :)

Wie versprochen werden wir mit Sicherheit oft voneinander hören und lesen. Ich hoffe natürlich, dass ich dort so oft wie möglich ins Internet kann, um euch von meinen Erlebnissen zu berichten.

So, das wars nun erstmal von mir. Ihr hört wieder von mir, wenn es erste Neuigkeiten von Indien gibt!

Damit ihr mal sehen könnt, mit wie "wenig" Gepäck ich verreise, habe ich noch ein Bild für euch.

Es herzt euch, eure Lisa