Hallo ihr Lieben!
Nun bin ich schon seit vier Tagen in Indien – das hört sich nicht wirklich sehr lange an, aber bei den Eindrücken, die ich bisher sammeln durfte, bin ich selbst überrascht, dass das alles in nur vier Tagen war.
Angefangen hat das Abenteuer eigentlich schon am Flughafen in Bangalore. Als Sally und ich ankamen, liefen wir erst einmal hinaus (wahrscheinlich sehr auffällig, als die einzigen zwei hellen) und wurden gleich von zwei Indern erkannt. Höchstwahrscheinlich von der Organisation Greenlion – der Partnerorganisation von Multikultur aus Deutschland – letztendlich wissen wir das jedoch nicht, da die beiden nicht sehr gut Englisch gesprochen haben. Es war noch ein anderer Volontär, der Sid heißt, dabei. Wir drei standen mit unseren riesen Rucksäcken vor einem kleinen Auto, habe mich dann natürlich gleich mal gefragt, wie wir diese drei Rucksäcke da rein bekommen. Aber ganz einfach, einer landete im Kofferraum, die zwei anderen auf dem Dach. Nicht wirklich festgebunden oder sowas…J
Schon die Fahrt war spektakulär, einmal der Linksverkehr und zum anderen das Durcheinander, Regeln scheint es nicht wirklich zu geben, man fährt hier einfach, wie man es für richtig hält. Es gibt zwar zwei Spuren, aber die scheinen irgendwie überflüssig. Und Hupen gehört natürlich dazu – die Inder hupen nicht, weil sie sich vielleicht über den Vordermann aufregen, sondern einfach grundlos. Dementsprechend ist es natürlich total laut. Man gewöhnt sich aber so schnell daran, dass es mir jetzt schon komisch vorkommt, wenn ich kein Hupen höre.
Wir sind also nach Bangalore gefahren und kamen in eine Unterkunft, wo alle angekommene Volontäre schlafen: Helen aus England, Lara aus Berlin, Julia aus Berlin, Sid, Sally und ich. Die drei Mädchen und ich sind abends noch etwas durch Bangalore gelaufen…die Stadt ist einfach unheimlich belebt, alle Menschen stehen draußen auf den Straßen, es laufen unzählige freilaufende Hunde herum und natürlich waren wir als vier hellhäutige Mädchen sehr auffällig.
Am nächsten Tag trafen wir dann Ash, unseren Koordinator, und sind mit ihm nach Mysore gefahren. Eine vierstündige Fahrt ungefähr. Die meisten haben geschlafen, aber durch die vielen Eindrücke war mir nicht wirklich nach Schlafen und ich habe während der Fahrt einfach alles, was draußen so passierte, beobachtet. Armut, wie man sie vielleicht von Indien „kennt“ (beziehungsweise vielleicht wie in Mumbai die Slums) gibt es hier nicht so sehr, man sieht zwar vereinzelt Blechhütten, aber es hält sich in Grenzen.
In Mysore angekommen, wurden wir natürlich sofort von süßen indischen Schulmädchen gemustert, da wir natürlich alle zusammen sehr auffällig waren. Dann ging es mit den Rikschas weiter zu unserem Hotel, das im Zentrum von Mysore liegt. Abends sind wir dann zum ersten Mal richtig Indisch essen gegangen – nicht sehr scharf, denn scharf hat hier wirklich eine andere Bedeutung als bei uns!
Am Montag saßen wir dann wie von Ash verlangt pünktlich um halb zehn unten im Hotel und warteten…. Auf Ash :-P Inder sind unpünktlich..oder vielleicht nicht unpünktlich, aber sie nehmen es einfach nicht so ernst mit der Zeit wie die Deutschen beziehungsweise Europäer. Habe mich schnell daran gewöhnt, und frage mich bereits jetzt, ob ich es nach den sechs Monaten in Deutschland schaffe, pünktlich zu erscheinen J Er hat uns ein bisschen über das Projekt, bei dem wir ab Sonntag dann sind, erzählt. Sally und ich sind doch nicht all zu weit von Mysore entfernt, was sehr gut ist, dann können wir doch mehr unternehmen und sitzen nicht nur in einem kleinen Dorf fest.
Später sind wir dann noch auf den Markt gegangen – ein sehr verwinkelter Markt mit ganz vielen kleinen Räumchen, in denen total viele Inder sitzen und irgendwelche Früchte, Blumen, Öle oder ähnliches verkaufen.
Es ist ziemlich durcheinander und viel los – natürlich wurden wir hier schon von dem ersten Bettlermädchen angesprochen.Sie hatte große schöne Augen und sie tat uns so unglaublich leid, Helen gab ihr ein paar Rupien, was für uns einfach so wenig Geld ist, aber uns wurde trotzdem gesagt, wir sollen diesen Kinder nichts geben. Das Herz tut aber einfach weh, wenn so ein Kind vor dir steht und du gibst ihm nichts. Das Problem ist eben, dass viele Kinder dieses Geld abgeben müssen, selbst also nicht wirklich davon haben. Und fängt mal einmal an zu geben, so kann man schlecht nein sagen… Und von Bettlern beziehungsweise armen Leuten, die irgendetwas verkaufen wollen, gibt es sehr viel. Nachdem wir dann aus dem Markt draußen waren, kam noch der Fisch- und Fleischmarkt – absolut eklig!! Das Fleisch hängt hier einfach an Stangen, es ist zwar nicht total heiß, aber trotzdem schlecht für Fleisch und Fisch. Es stinkt einfach widerlich und ich frage mich nachwievor, wie man so etwas kaufen kann. Ich habe mich auf jeden Fall entschieden, das halbe Jahr kein Fleisch zu essen: Vegetarier leben hier einfach, es gibt hier unzählige vegetarische Gerichte. Heute (Donnerstag) waren wir in einem „richtigen“ indischen Restaurant und haben von einem Blatt gegessen – mit den Fingern. Anfangs habe ich noch mit dem Löffel gegessen, irgendwann dann auch mit der rechten Hand (die Linke ist die unreine bei den Indern– und damit meine ich wirklich UNREIN: hier wird kein Toilettenpapier benutzt…das erste, was wir getan haben, war natürlich Klopapier zu kaufen)… aber Reis mit der Hand zu essen, ist schwieriger als gesagt, außerdem kommt man sich doch irgendwie vor, als wäre man ein Schwein.
Gestern und heute hatten wir dann schon zwei Yoga-lessons. In Deutschland habe ich auch mal Yoga gemacht, aber das war mehr Entspannung als Gymnastik: hier sind es einfach Dehnübungen. Weshalb ich auch jetzt einen Muskelkater habe…Ich denke, ich werde vielleicht in dem halben Jahr eher Meditation machen, ist mehr entspannend als anstrengend.
Heute waren wir dann auch noch im Mysore Palace – ein riesen Palast, der erst hundert Jahre alt ist und total riesig und unwirklich wirkt.
Morgen laufen wir auf einen Berg hoch, ich weiß nicht mehr, wie der heißt, aber es sind ziemlich viele Stufen und von dort oben hat man eine super Aussicht, ich bin also schon sehr gespannt.
Am Samstag, unserem freien Tag, werden wir wahrscheinlich einen Ausflug machen, die ganze Gruppe von uns Volontären.
So, das wars erst mal von mir, ist ja nun auch ziemlich viel zu lesen. Ich könnte noch viel mehr schreiben, es gibt hier einfach so viel zu sehen. Alles ist unheimlich bunt, lebhaft, die Kühe laufen frei herum wie die Katzen bei uns, der Verkehr ist einfach unglaublich mit so vielen Rikschas, Autos, Kühen, Pferden, Fahrrädern, Menschen, die irgendetwas hinter sich herziehen und so weiter. Und natürlich sind alle bisher sehr freundlich gewesen, viele fragen, woher wir kommen. Viele Inder schauen uns an, manche starren schon fast. Die meiste Zeit lächle ich einfach zurück und bekomme eigentlich immer ein Lächeln zurück.
Bisher haben mich schon viele Frauen angeschaut und gemustert, ich lächle sie an und bekomme ein total freundliches Lächeln zurück – ich weiß nicht, ob ich in Deutschland einfach auf der Straße anlächeln könnte und solch ein freundliches Lächeln zurück bekommen würde.
Es ist schade, dass viele Leute in Deutschland so negativ über Indien denken, denn die Menschen hier scheinen sich hier mit ihrer Lebenssituation abzufinden. Natürlich ist es für uns erschreckend zu sehen, wie viel Müll hier herumliegt und wie die Menschen mit ihrer Umwelt umgehen, man fühlt sich schlecht, wenn man ein Papierchen auf den Boden wirft – aber die Menschen scheinen eigentlich glücklich zu sein, weil sie sich mit dem abfinden, was sie haben.
Es ist wirklich so, Indien ist anders und man muss es einfach erleben!!!
Viele Grüße aus dem fernen Indien sendet euch Lisa!
Hey Lisi,
AntwortenLöschenhört sich total faszinierend an, was du da alles schreibst, aber ich glaub wirklich, dass man das mal selbst erleben muss. Schreib bitte bald wieder wie es dir in Indien so ergeht.
Machs gut und genieß es.
Hab dich lieb,
Julia
Hallo Lisa,
AntwortenLöschentoll geschrieben. Papa und ich hoffen auf
viele neue Einträge, Erlebnisse und Bilder
von Dir.
Dickes Bussi Mama
Hey Lisl :)
AntwortenLöschenWie super, dass du auch einen Blog machst!! :)
Hört sich ja bis jetzt echt alles wahnsinnig spannend und interessant an..Und bei dem Thema Yoga musste ich natürlich schmunzeln und an unsere Schnarchaktion denken.
Ich drücke dich ganz fest und wünsche dir weiterhin viel Spaß.
Muchos saludos desde Peru
die snü
ach ja, mein Blog: www.judithinperu.blogspot.com
Lisi :)
AntwortenLöschenwie schön von dir zu hören, was du so machst den ganzen Tag.
Ich krieg richtig Fernweh wenn ich das les ;)
fühl dich dick gedrückt!
Mel
Hallo Lisa,
AntwortenLöschenkaum zu glauben, aber auch ich verfolge immer wieder deinen Blog und deine Aktivitäten in Indien...
Ich wünsche dir eine tolle Zeit dort und hoffe auf viele weitere Texte.
Natalie ;)