Hallo meine Lieben!!
Momentan (Samstag, 28. August 22:20) sitze ich mit Sally im Zug Richtung Bangalore. Wir sind in einem Schlafzug, sehr komfortabel für indische Verhältnisse – und vor allem sicherer als die niedrigeren Klassen.
Ich fange aber erst einmal von vorne an, warum wir eigentlich im Zug Richtung Bangalore sitzen.
Angefangen hat eigentlich alles am Freitag vor einer Woche. Da erklärte uns Ash, der Koordinator unseres Projektes, dass momentan im Projekt nur ein freier Platz sei. Da Sally und ich aber unbedingt zusammen in ein Projekt wollten, machte er den Vorschlag, dass wir uns doch eine Woche freinehmen und auf eigene Faust herumreisen. Wir waren natürlich von dem Vorschlag sofort begeistert – schon in der zweiten Woche mehr von Indien sehen!! Wow… Da jedoch alles sehr spontan war, überlegten wir erst einmal, wo unser Kurztrip denn beginnen soll. Also kamen wir auf die Idee, erst einmal nach Delhi, im Norden Indiens, zu fliegen. Ash hat uns ein paar Fluggesellschaften vorgeschlagen, mit denen wir nach Delhi fliegen können. Da im Internet jedoch alles sehr teuer war, sind wir noch am Samstagabend spontan von Mysore nach Bangalore gefahren, um dort direkt am Flughafen nach Flügen zu schauen. Dort angekommen herrschte bei uns beiden erst einmal Orientierungslosigkeit, welcher Flug, welche Fluggesellschaft, wo bucht man das? Nach längerem Herumfragen entschieden wir uns also für „Indigo“, die Maschine sollte um sechs Uhr in der Früh starten. Wir waren ziemlich froh, endlich im Flughafen zu sitzen und haben dort dann die Zeit bis sechs Uhr morgens tot geschlagen. Nach zwei Stunden und 45 Minuten kamen wir dann in Delhi an – wir waren total kaputt! Nachdem wir im Hotel in Delhi ankamen, fuhren wir direkt weiter in die Stadt rein, wir saßen keine fünf Minuten später in einem Touristenbüro, in dem uns ein Mann ein Angebot für eine Reise machte, die in Delhi beginnen sollte, weiter nach Agra zum Taj Mahal, dann nach Jaipur, von dort aus weiter nach Mumbai und letztendlich zurück nach Bangalore. Schaut man sich das alles auf der Karte an, sieht man, dass die Reise also quer durch Indien gehen sollte.
Die Reise begann also schon in Delhi, sind dort mit einem „persönlichen“ Taxidriver durch die Stadt gefahren. Da wir jedoch total müde waren und für viele Monumente nicht so großes Interesse gezeigt haben, ging das relativ schnell – der Höhepunkt war dann der McDonalds in der Stadt, wir waren total hungrig, nach etwas westlicherem… Delhi hat uns im Allgemeinen überhaupt nicht gefallen, dort fiel uns als erstes die Armut auf: neben riesigen Gebäuden stehen einfach Plastikhütten, die Menschen hängen ihre Wäsche mitten auf einer vielbefahrenen Straße auf, irgendwie unvorstellbar. Alles wirkte sehr unpersönlich und auch der Taxidriver erklärte uns, dass Delhi nur eine Stadt sei, in der man Geld machte – und man sieht hier auch den großen Kontrast zwischen Arm und Reich.
Wir kamen also relativ früh wieder im Hotel an, was auch sehr gut war, denn wir waren total müde (hatten ja noch gar nicht so richtig geschlafen). Wir blieben dann den restlichen Nachmittag auf unserem Zimmer und als wir abends im Bett lagen, konnten wir beide nicht einschlafen. Wir waren uns total unsicher, ob wir mit der Reise und dem Geld, das wir bezahlten, auch die richtige Entscheidung getroffen hatten.
Am nächsten Tag ging es relativ früh los – nach Agra zum Taj Mahal. Nach einer vierstündigen Fahrt, gingen wir erst einmal essen: Spagetti! Ja, das hört sich komisch an, warum Spagetti in Indien… doch irgendwie bekommt man schon nach kurzer Zeit Lust auf etwas anderes. Das Essen in Indien ist zwar schon vielfältig, doch man isst alle Zutaten mit verschiedenen Arten von Brot oder Reis – und das täglich drei Mal.
Nach unserem leckeren Essen, liefen wir dann zum Taj Mahal.
Und es ist wirklich so, es ist UNGLAUBLICH! Man steht davor und muss staunen, ich finde, es haut einen förmlich um. Denn das Taj Mahal steht irgendwie total im Kontrast zu dem Rest von Indien, einerseits Armut und andererseits das Taj Mahal, das Wohlstand ausstrahlt. Trotzdem, es war einfach wunderschön, davor zu stehen. Auch wenn es plötzlich anfing zu regnen – es hat in Strömen geregnet, sodass wir komplett durchnässt waren. Nach Kamelreiten und Besuchen einer Fabrik, die Saris, Bettdecken und viele andere Sachen herstellt, ging auch der Tag in Jaipur sehr schnell vorbei. Am nächsten Tag sahen wir dann einen Tempel und auch hier war es anders, eine total andere Atmosphäre als in den hinduistischen Tempeln.
Wir fuhren noch ein bisschen herum und besuchten einen weiteren Tempel. Ich glaube, nach so vielen Tempeln reicht es für die nächsten zwei Monate dann auch mal wieder, sie sind zwar sehr schön, aber teilweise ähneln sie sich doch sehr.
Am Donnerstag ging es dann mit dem Zug nach Mumbai – wir fuhren mit einem Schlafzug, die Zugfahrt war nicht so spektakulär wie man sich das Zugfahren in Indien sonst vorstellt. Wir waren in der höchsten Klasse, alles andere wäre erstens zu gefährlich gewesen und zweitens einfach unangenehm: 24 Stunden nur sitzen ohne zu schlafen.
Nach unzähligen Stunden kamen wir dann in Mumbai an… und waren erst einmal aufgeschmissen. Wir dachten eigentlich, dass dort ebenso ein Taxidriver auf uns wartet und uns zum Hotel bringt. Doch irgendwie hatten wir da anscheinend falsch gedacht. Das Problem war, dass wir nicht einmal den Namen von dem Hotel wussten. Also gingen wir wieder zurück in den Bahnhof und riefen von dort aus das Touristenbüro an. Uns wurde dann erklärt, wo wir hinmüssen und so gingen wir wieder raus zu den tausenden von Taxifahrern, die alle auf uns zusprangen und wollten, dass wir mit ihnen fahren. Ziemlich anstrengend, um ehrlich zu sein!
Nach einer Stunde kamen wir dann im Hotel an und wurden erst einmal von dem Taxifahrer abgezockt… Wir riefen gleich bei dem Touristenbüro an, um unser Geld wieder zurück zu bekommen, denn eigentlich dachten wir ja, dass dort jemand auf uns wartet und wir hatten ja eh schon genug Geld für alles ausgegeben.
Unser Zimmer in dem Hotel war etwas herunter gekommen, das Badezimmer stank nach Fisch und an den Wänden blätterte die Farbe ab. Aber, man stellt sich auf all das schnell ein, auch auf eine kalte Dusche oder mit einem Eimer zu duschen.
Wir beschlossen nach kurzer Zeit, dass wir so schnell wie möglich die Stadt sehen wollten und liefen erst einmal etwas herum. Plötzlich sprach uns ein älterer Mann an, wir waren erst einmal misstrauisch, denn nach vielen Abzocken und Menschen, die einem irgendwie doch nur das Geld aus der Tasche ziehen wollen, waren wir uns wirklich total unsicher. Wir fragten ihn nach dem „Gateway of India“ und er begleitete uns dort hin.
Der Tag ging ziemlich schnell vorüber und auch am Ende des Tages begleitete uns unser neuer indischer Freund zum Bahnhof – und hier herrschte CHAOS. Hier konnte man doch eher das wahre Zugfahren Indiens erleben – so viele Menschen warteten auf verschiedene Züge, viele lagen auf den Böden und schliefen einfach dort. Unglaublich, wenn man an die Bahnhofsverhältnisse in Deutschland denkt.
Nach langer Suche (wir stellten fest, dass wir keine reservierten Sitzplätze hatten…wir mussten also zu einem Schalter gehen und glücklicherweise bekamen wir unsere zwei Plätze) saßen wir dann endlich im Zug, total kaputt und verschwitzt von der brütenden Hitze in Mumbai.
Mumbai hat wirklich schöne Strände,
das denkt man nicht, oder?
Die Zugfahrt war ziemlich anstrengend… über 24 Stunden auf engstem Raum mit so vielen anderen Menschen, zwar konnte man auch schlafen, doch nach so langem Liegen und Sitzen, fängt der Rücken irgendwann an zu schmerzen.
das denkt man nicht, oder?
Die Zugfahrt war ziemlich anstrengend… über 24 Stunden auf engstem Raum mit so vielen anderen Menschen, zwar konnte man auch schlafen, doch nach so langem Liegen und Sitzen, fängt der Rücken irgendwann an zu schmerzen.
Wir waren dann am Sonntagabend auch wirklich froh, in Bangalore angekommen zu sein. Dort mussten wir erst einmal einen Bus finden, der nach Mysore fährt. Die Busstation ist ebenso chaotisch, ich weiß nicht wie viele Busse dort stehen, aber bestimmt um die 50 Busse, die in die verschiedensten Städte fahren. Irgendwann fanden wir dann auch einen passenden mit Klimaanlage, das braucht man auch, denn ohne ist es erstens zu heiß und zweitens eine bessere Gelegenheit für Moskitos, zu überleben.
Wir kamen dann um drei Uhr in der Nacht in Mysore an, fuhren zu unserem Hotel und lagen dann um vier Uhr im Bett – erleichtert und glücklich, dass wir all das alleine in Indien geschafft hatten. Und das schon in der zweiten Woche!
Dinge, die sich vielleicht manchmal einfach anhören, können in Indien schwieriger sein, als man denkt! Sally und ich kamen uns oft überrumpelt und abgezockt vor, das muss man ganz ehrlich sagen: wir standen zum Beispiel mit Pervez Auto auf einem Parkplatz und der Wächter meinte doch tatsächlich, dass er mehr bezahlen soll, weil zwei weiße Personen im Auto sitzen. Man kommt sich durch so etwas teilweise überrumpelt und missverstanden vor. Natürlich haben westliche Menschen im Vergleich viel mehr Geld, doch es geht nicht, überall mehr zu bezahlen, nur weil wir weiß sind. Das sind die Nachteile, doch man sieht, dass man in Indien auch einfach auf unglaublich nette und hilfsbereite Menschen stößt, die einfach mal zwei Tage mit einem verbringen! Habt ihr so etwas schon einmal in Deutschland erlebt?
Auch im Zug saßen Männer und Frauen, die sich zu uns gesetzt haben, mit uns geredet haben, sich total für uns interessierten, oder uns einfach nur nett angelächelt haben. In solchen Momenten fühlt sich das, was man erlebt, einfach unglaublich an. Man bekommt die Bestätigung, dass der Kulturschock, den man auf sich genommen hat, auch seine wirklich positiven Seiten hat.
Armut und Wohlstand sind zwei Begriffe, die in Indien nah beieinander stehen. Nicht nur in Mumbai, sondern auch in vielen andern Städten, die wir bisher gesehen haben. Doch man darf Indien nicht als ein schlechtes Land abstempeln!!
So, das war nun wirklich sehr sehr viel zu lesen! Ich hoffe, ihr seid auch bis zum Ende angekommen.
Eigentlich könnte ich noch so viel mehr schreiben, doch das habe ich schon in meinem letzten Blogeintrag gesagt, Indien muss man erleben. Erzählungen hören sich zwar immer interessant an, doch man versteht das wirklich alles erst, wenn man hier ist!
Viele liebe Grüße aus Indien sendet euch,
Eure Lisa
Hallo Lisa, ich bins Nathy (Caros Schwester)
AntwortenLöschenFind deinen Blog total interessant und bin jetzt am Überlegen, ob ich auch nach Indien gehen soll nach der Schule (obwohl für mich seit 3 Jahren Afrika festeht - aber falls es da nicht klappen sollte ;)) . Ich wünsch dir noch viel Spaß und jede Menge tolle Erfahrungen! :)