Mittwoch, 29. Dezember 2010

Meine neuesten Indienerlebnisse!


Hallo nach Deutschland!

Nun habe ich euch wirklich lange warten lassen, seit meinem letzten Blogeintrag. Hiermit teile ich euch also mit: ich lebe noch und mir geht es gut!
Das letzte Mal habe ich euch von unserem Aufenthalt in Goa erzählt und seitdem ist eine ganze Menge passiert. Nachdem wir wieder ein paar Tage im Projekt waren und uns wieder einigermaßen ins Projekt eingelebt haben – so gut das eben geht, wenn jede Woche mindestens ein Feiertag ist oder irgendein anderes Programm, das uns davon abhält, zu unterrichten – haben Sally und ich (wir Glückspilze) dann auch noch Bindehautentzündung bekommen. Ich war am Montagmorgen ziemlich geschockt, da ich mit einem mega dicken Auge augewacht bin. Das erste was ich mir dachte: „Lisa, was hast du jetzt schon wieder gemach?“. Die Lehrerinnen wollten uns erst nur zur Apotheke schicken, aber irgendwie war es mir dann lieber, zu einem Arzt zu gehen, ich wusste ja nicht, dass es sich um eine Bindehautentzündung (Conjunctivitis auf Englisch, unser Wort für den dritten Monat :-) ) handelt. Dharani, die Lehrerin der Nähklasse, hat zufällig zur selben Zeit in der Schule angerufen und mit Sally vereinbart, dass wir uns in Madikeri treffen, um gemeinsam einen Arzt aufzusuchen. Also fuhren wir nach Madikeri und trafen dort wie vereinbart Dharani: irgendwann bekamen wir durch Zufall mit (nachdem sie sich, wie sie meinte, für eine Hochzeit umziehen würde), dass sie uns jetzt mit auf eine Hochzeit nehmen würde. Wir waren etwas verdattert und nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass sie das zu Sally am Telefon gesagt hatte. Dieses Beispiel zeigt die Missverständnisse und Kommunikationsprobleme hier in Indien, mit denen wir tagtäglich wieder konfrontiert werden. Fazit der Sache war dann, dass wir natürlich nicht mit auf die Hochzeit gegangen sind und stattdessen zu einer Augenärztin, die mir dann mitteilte, dass ich Bindehautentzündung habe und dass das hier in der Region sehr häufig sei.
Und wie es der Zufall wollte, hat es dann drei Tage später auch Sally bekommen. So konnten wir uns gegenseitig auslachen und gleichzeitig bemitleiden! Wir verbrachten ungefähr eine Woche in unserem Zimmer, da wir von den anderen etwas sonderbar behandelt wurden.
Nach einer Woche hatten wir also das auch hinter uns und machten uns am Freitag, den 19. November, gleich morgens auf den Weg nach Metupallayam . Das ist eine Bergstadt in Tamil Nadu – von dort aus startet eine besondere Zugfahrt nach Ooty, diese Fahrt mit einem sehr alten Zug dauert ungefähr vier Stunden, da man ungefähr 10 km /h fährt, dafür, so stand im Reiseführer, soll man eine unglaubliche Landschaft sehen . Die Fahrt nach Metupallayam hat ungefähr neun Stunden gedauert (ja, man nimmt hier schon sehr lange Fahrtzeiten in Kauf – das hilft mir auf jeden Fall, etwas geduldiger zu werden) und so kamen wir am späten Abend in Tamil Nadu an: natürlich war die Busfahrt wie immer holprig, aber was sage ich euch das, mittlerweile müsstet ihr das schon wissen :-)
Der Mann an der Rezeption unseres Hotels erklärte uns, dass wir schon sehr früh morgens an den Bahnhof müssten, um noch Plätze im Zug zu bekommen. Nach ungefähr sechs Stunden Schlaf wurden wir um kurz vor fünf Uhr morgens vom Wecker aus dem Bett gerissen und liefen verschlafen zum Bahnhof. Dort gingen wir zum „Train Master“ und erklärten ihm, dass wir gerne ein Zugticket hätten – der Hotelchef erklärte uns, dass man als „Weiße“ Vorteile hat, Tickets zu bekommen. Also versuchten wir es natürlich erst hier, da auch im Reiseführer stand, dass diese Zugtickets heiß begehrt und begrenzt sind.
Dieser schrieb uns etwas auf einen kleinen Zettel, schickte uns mit eher schlechtem Englisch weiter zum Tickethäuschen und erzählte noch irgendetwas von einer Schlange. Wir verstanden, wie so oft hier in Indien bedingt durch das missverständliche Englisch, nur Bahnhof – im wahrsten Sinne des Wortes. Irgendwann hielten wir dann unser Ticket in den Händen und machten uns auf den Rückweg ins Hotel, um dort unser restliches Gepäck zu holen. Schnell liefen wir wieder zurück zum Bahnhof. Noch zwanzig Minuten vorher schien alles wie ausgestorben… auf einmal wuselt es nur noch so vor Menschen. Dies ist auch eine Tatsache, die uns jedes Mal wieder auf ein Neues überrascht. Räume, Busse oder wie in dem Fall der Bahnhof können innerhalb der kürzesten Zeit von total vielen Indern überfüllt sein, wie aus dem Nichts. Endlich begriffen wir dann auch, was es mit der Schlange auf sich hatte. Um in den Zug zu kommen, muss man sich in einer Schlange aufstellen, wer nicht mehr hereinkommt, trotz Ticket, hat Pech gehabt. So funktioniert das eben in Indien :-) Nach ungefähr 45 Minuten saßen wir dann glücklich im Zug und warteten noch etwas, bis es endlich losging.
Und was dann kam, war wirklich total schön. Diese Zugfahrt ging durch eine atemberaubende, bisher unangetastete Landschaft Indiens, quer durch die Berge von Tamil Nadu. Wir waren wirklich fasziniert…so dreckig und voller Müll die meisten Städte hier in Indien aussehen, so wunderschön, sauber und einzigartig sieht die Landschaft hier dagegen aus. Auch das steht völlig im Kontrast zum Rest.
Vier Stunden konnten wir es genießen, eine der schönsten Seiten Indiens zu sehen:







Der Endstop war dann Ooty, dort hielten wir an einem alten und schön erhaltenen Bahnhof – wir waren ganz überrascht, da die Bahnhöfe sonst wirklich eklig und dreckig aussehen.
Wir haben dann den Tag noch in Ooty verbracht, wo es seeeehr (…) kalt war!! Wahrscheinlich sind wir gar nichts mehr gewöhnt, aber so gefroren habe ich schon lange nicht mehr in der Nacht. Die Stadt hat uns sehr gut gefallen, da sie mitten in den Bergen lag und den Charme einer typischen indischen Kleinstadt hat: ein quirliger Markt, ein Tempel und kleine Gässchen, in denen man auf der Straße kocht und kleine Kinder herumspringen.
Am nächsten Tag ging es dann auf einer ungefähr acht-stündigen Busfahrt zurück nach Suntikoppa. Die folgende Woche lief dann auch wie sonst immer ab: am Dienstag hatten wir einen Feiertag und die sonstigen Tage verbrachten wir damit, den Kindern Englisch und Mathe beizubringen. Warum ich das so beiläufig sage? Man ist hier teilweise sehr gefrustet, weil man das Gefühl hat, nicht viel bewirken zu können. Die Kinder hören durch die große Sprachbarriere nicht so richtig auf uns und es erscheint uns sehr sinnlos, englische Wörter aufzuschreiben, die sie dann zehn Mal hintereinander nachschreiben, jedoch absolut nicht verstehen, was sie bedeuten. Die indischen Lehrmethoden sind wirklich fragwürdig, doch wir haben schon sehr früh begriffen, dass es keinen Sinn macht, daran etwas zu ändern, da die Lehrer teilweise selbst so schlechtes Englisch sprechen und nicht verstehen, was wir ihnen versuchen zu erklären. Man fügt sich also irgendwie und versucht wenigstens eine kleine Veränderung zu bewirken, indem man den Kindern mit Händen und Füßen erklärt, wie man zweistellige Zahlen addiert oder multipliziert. 

Am Freitag ging es dann ENDLICH los: wir machten uns auf den Weg nach Bangalore, um dort unsere zweiwöchige Reise zu starten. Der erste Stopp sollte Hampi sein. Doch erst mal hieß es für uns, auf dem Bahnhof Zeit totzuschlagen, um auf unseren Zug zu warten. Dies sollte unsere erste Zugfahrt (von mehreren noch kommenden) sein und sie war 13 Stunden, ein kleiner Vorgeschmack auf die folgenden. Wir kamen früh morgens in Hampi an, nachdem wir eher schlecht geschlafen haben im Zug: es ist schwierig, detailgetreu zu erklären, wie es in einem solchen Zug aussieht, wenn man als Beispiel nur die Deutsche Bahn hat zu Hause. Doch ein kleiner Vorgeschmack wären ein paar Schlagwörter wie Kakerlaken, Mäuse, Dreck, Gestank, ekelhafte (und damit meine ich WIRKLICH ekelhaft) Toiletten und wenig Platz für sich selbst. Wenn wir eine solche Zugfahrt auf uns nehmen, wählen wir dabei auch immer die niedrigste Klasse – „Sleeper“ – da es wirklich keinen Unterschied macht, es ist überall eklig! Da aber Zugfahren einfach zu den billigsten Reisemöglichkeiten in Indien zählt, nehmen wir das als echte „Traveller“ natürlich auf uns! 

Hampi hat uns total gefallen und sehr beeindruckt: eine Stadt, die inmitten von alten Ruinen, Tempeln, Palmen und riesigen Steinen liegt. Am ersten Tag liehen wir uns also ein Moped und fuhren mit ungefähr 35 km/h durch die Gegend – viel Hupen miteinbegriffen, irgendwie eignet man sich das hier in Indien wohl an. Der Linksverkehr war nicht ganz so schlimm, wie wir dachten, und so wechselten wir uns abwechselnd mit dem Fahren ab, wobei Sally die wirkliche Bikerin unter uns war, sodass ich so viele Bilder wie möglich machen konnte.

Hier ein kleiner Vorgeschmack dessen, was wir dort alles sehen konnten:














 Am zweiten Tag liefen wir dann zu Fuß durch diese Umgebung und wunderten uns immer wieder, wie diese wunderschöne Landschaft so zustande kommen konnte. Diese vielen Steine, als hätte man sie aufeinander gesetzt und dann die vielen Palmen, eins war klar, schon unser erster Stopp war ein wirkliches Highlight!
Am dritten Tag konnten wir dann in einem sehr schönen Restaurant am Fluss unser Frühstück genießen, um uns dann später auf den Weg nach Hubli zu machen, dort sollte unser nächster Zug nach Varanasi abfahren. Als wir im Hotel ankamen, um unser Gepäck zu holen, fragten wir vorsichtshalber noch einmal nach, wie lange man nach Hubli fahren würde, und stellten mit großem Entsetzen fest, dass es mit dem Bus sechs Stunden von Hampi sind! Wir hatten bereits elf Uhr und sollten um 16 Uhr dort sein. Natürlich waren wir total aufgeregt, denn diese Zugfahrt war die längste von allen und es war eher unwahrscheinlich, noch Tickets dafür zu bekommen. Schnell suchten wir einen Rikschafahrer, der uns in die nächst größere Stadt fuhr, um dort nach Bussen zu schauen. Die Busfahrt hätte viel zu lange gedauert also beschlossen wir kurzerhand, dass wir mit einem Taxi fahren: wir mussten somit 2500 Rupien für die Fahrt von Hospet nach Hubli bezahlen, nur weil wir es verpennt hatten, nachzufragen, wie lange man nach Hubli fährt :-) Da wir jedoch einen sehr netten Fahrer hatten, der uns immer wieder versicherte, dass wir es schaffen würden, kamen wir tatsächlich pünktlich in Hubli an und saßen überglücklich im Zug, um 2500 Rupien leichter (das sind ungefähr 40 Euro für eine Strecke von drei Stunden, hier in Indien jedoch sehr viel Geld)!
Unser nächster Stopp sollte Varanasi mit dem berühmten Ganges sein! Doch vor uns lagen noch ungefähr 38 Stunden Zugfahrt, dazwischen ein kleiner Stopp in Itarsi. In Itarsi angekommen (irgendwie hatten wir es geschafft, 25 Stunden hinter uns zu bringen!), liefen wir ein bisschen durch die kleine Stadt und stellten fest, dass das wirklich das „wahre Indien“ war, hier herrschte kein Tourismus, nichts war auf Englisch beschriftet. Da unsere alte Handykarte abgelaufen ist und man in Indien als Tourist große Probleme hat, eine indische Simkarte zu bekommen, probierten wir es in dieser Stadt mit der Hoffnung, vielleicht doch noch eine zu kaufen. Doch auch hier klappte es nicht: vorerst! Keine zwei Minuten später lief jemand hinter uns her und meinte, er würde uns eine Handykarte schenken, er hätte 15 Stück. Zwanzig Minuten später waren wir dann also wieder stolze Besitzer einer Simkarte aus Itarsi :-)  Wenn so etwas passiert, ist man eine Stunde später immer noch verwirrt und fragt sich, ob das wirklich passiert ist. Wer würde in Deutschland schon Handykarten verschenken?
Ungefähr 15 Stunden später kamen wir dann in Varanasi an!
Varanasi war das zweite Highlight auf unserer Reise: der Ganges, welcher von den Indern als heiliger Fluss gesehen wird, scheint wirklich auf gewisse Weise etwas Spirituelles auszustrahlen. An den Ghats (so werden die Ufer des Flusses genannt) sitzen überall Menschen, schwimmen kleine Boote, Wäsche wird gewaschen, Menschen baden, vor allem aber werden Menschen zeremoniell verbrannt! Das Wasser hat 1,5 Millionen Bakterien pro ml (ein Gewässer, in dem man baden darf, sollte maximal 500 Bakterien pro ml haben) und trotzdem wird es als heilig gesehen, darin gebadet, Wäsche gewaschen und ich denke teilweise auch getrunken. Für uns Westler natürlich eine sehr eklige Angelegenheit, aber trotzdem sehr schön anzusehen, wie es überall von Menschen wuselt, die sich am Wasser aufhalten. Zudem wird an den Ghats Wäsche aufgehangen, als sei es der Balkon vor der Wohnung: wo man hinschaut sieht man also Wäsche von den unterschiedlichsten Menschen – unter den Indern wird wohl nichts geklaut, denn ich glaube nicht, dass die Menschen die ganze Zeit bei ihrer Wäsche stehen bleiben!

Damit ihr auch seht, wie schön diese Stadt ist, habe ich natürlich wieder ein paar Bilder für euch:










 Nach vier Tagen in Varanasi, in denen wir uns wohl in der „German Bakery“ satt gegessen haben, uns unzählige Male in den Straßen an den Ghats verlaufen haben (diese kleinen Gässchen und verwinkelten Straßen sind wirklich wie ein Labyrinth, trotzdem aber unglaublich schön) und zwei Bootsfahrten gemacht haben, machten wir uns auf den Weg nach Kalkutta.
15 Stunden Zugfahrt: glücklicherweise waren wir mit vier anderen Travellern in einem „Abteil“ (man kann nicht wirklich Abteil dazu sagen, es sind jeweils drei Pritschen, die sich gegenüberliegen), was bedeutete, dass wir weniger angestarrt werden. Ja, das ist eine Sache, die Sally und mich mittlerweile sehr stört. Man wird hier nicht nur kurz angeschaut, weil man eben anders aussieht, nein – man wird angestarrt, förmlich verschlingt mit den Augen. Das kann teilweise sehr unangenehm sein, deshalb sind wir nach nunmehr vier Monaten in Indien teilweise wirklich sehr froh, auf andere Westler zu treffen!
In Kalkutta angekommen, nahmen wir vom Bahnhof zunächst eine Fähre auf die andere Seite des Ganges um dort zur „Sudderstreet“ zu gelangen, die Touristenstraße im Herzen Kalkuttas.
Zu Kalkutta kann ich sagen, dass es anders ist, als man denkt – wie bei Mumbai dachte ich vorerst, Kalkutta sei eine absolut ärmliche Stadt, die nur so vor Bettlern, Dreck, Gestank und heruntergekommenen Gebäuden wimmelt. Tatsache ist aber, dass Kalkutta genauso wie Mumbai sehr viel Westliches vorzuweisen hat. Leider sieht man auch hier Müll und Dreck auf den Straßen ebenso wie arme Menschen, doch auf der anderen Seite hat die Stadt sehr viele neue Gebäude, westliche Gebäude, Cafés, schöne Restaurants, Einkaufszentren, Shoppingstraßen und wie in Mumbai, Gebäude, die man auch in England sehen kann.
Durch eine Rundfahrt mit einem Taxi und einem Guide, konnten wir uns ein Bild von der großen Stadt machen. Doch ganz so begeistert wie von Mumbai waren wir nicht – vielleicht lag es am Wetter, das sich eher von seiner schlechten Seite gezeigt hat, oder an der Tatsache, dass wir mal wieder (wie so oft in Indien) mit Magenproblemen zu kämpfen hatten. Über indische Großstädte kann man aber auf jeden Fall sagen, dass sie die beste Infrastruktur haben und am westlichsten von allen sind, doch leider sieht man teilweise mehr arme Menschen, die auf der Straße leben - welche wahrscheinlich dort gelandet sind, weil sie dachten, in einer Großstadt mehr Chancen zu haben.

Hier ein kleiner Einblick in das Stadtbild Kalkuttas:






 Was einem das Herz in Kalkutta zerreißt, sind die Rikschafahrer. Im Süden Indiens gibt es sie nicht mehr, doch im Norden, vor allem in Kalkutta, sieht man umso mehr davon: Rikschas die von Hand gezogen werden. Sally und ich saßen für ungefähr zehn Minuten in einer solchen Rikscha, doch der Fahrer tat uns unendlich leid, wie er durch diese überfüllten Straßen lief, eine schwere Rikscha hinter sich herzieht und dann auch noch barfüßig läuft!
Nach drei Tagen in Kalkutta ging es dann wieder zurück in den Süden! Mal wieder saßen wir für 28 Stunden im Zug nach Chennai, an der Ostküste. Da wir unser Projekt noch am Samstag, den 11. Dezember erreichen wollten, beschlossen wir also, von Chennai gleich weiter nach Suntikoppa zu fahren. Einen Katzensprung kann man das nicht nennen, deshalb saßen wir ungefähr sieben Stunden in einem Sleeping-Bus nach Bangalore, kamen dort in den Morgenstunden an und fuhren von dort noch einmal ungefähr sechs Stunden weiter nach Suntikoppa.
Der Grund für diese lange Reise war der siebte Geburtstag von Swastha, der am 11. Dezember, stattfinden sollte. Wir Glückspilze kamen rechtzeitig an und konnten das eingeübte Theaterstück der Kinder noch sehen!
Ihr fragt euch jetzt sicherlich, wie wir die lange Zugfahrten überstanden haben? Ganz ehrlich, ich kann es mir irgendwie selbst nicht erklären :-)

Nun sind wir noch ungefähr zwei Wochen in Indien, unglaublich wie schnell unsere Zeit hier verging! Sally und ich haben beschlossen, das Projekt früher zu verlassen, um noch einmal an die Küste Keralas zu fahren: zu den Backwaters. Das sind Städte, die von Flüssen durchlaufen werden und in denen sich das Leben zu großen Teilen auf dem Wasser abspielt. Aus diesem Grund haben wir also am Freitag unsere Sachen gepackt und erkunden Indien noch genauer.
Am 6. Januar fahren wir dann noch einmal nach Mumbai, um unseren indischen Bekannten Pervez zu besuchen und dann geht’s schon bald nach Thailand!

Bis bald und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2011!!!

Eure Lisa aus Indien



Samstag, 6. November 2010

Meine neuesten Indienerlebnisse!

Hallooo nach Deutschland!!


Schon fast zwölf Wochen bin ich in Indien! Unglaublich, manchmal wundere ich mich wirklich selbst, wie schnell die Zeit hier vergeht – und das in einem Land, in dem ja die Uhren doch etwas langsamer zu ticken scheinen, als in Deutschland! Dennoch gibt es natürlich wieder viel zu berichten, seit meinem letzten Blogeintrag. Dort habe ich euch berichtet, dass wir noch eine Woche in Goa verbringen werden.

Diese Woche hat eigentlich schon ganz vielversprechend begonnen: bereits am Samstag, den 16. Oktober, haben Sally und ich uns auf den Weg nach Mangalore gemacht. Von Madikeri aus sind wir nach Mangalore, was an der Küste Karnatakas liegt, gefahren. Die Busfahrt war natürlich wieder einmal spektakulär, doch im Vergleich zu den anderen, ist das Wort „holprig“ eigentlich schon fast milde ausgesprochen. Während der Fahrt kam es des Öfteren vor, dass man einen Satz nach oben gemacht hat oder hin und her geschüttelt wurde. In Mangalore haben wir dann eine Nacht verbracht, um uns auch diese Stadt anzusehen. Man kann sie gut mit Bangalore vergleichen - auch hier erkennt man zwischen kaputten, eingefallenen Häusern eine gute Infrastruktur: hohe Häuser, richtige Läden, sogar eine Shoppingmall und viele westlich gekleidete junge Menschen. Größere Städte heben sich deutlich von allen anderen ab, hier lebt man um einiges fortschrittlicher, hier wird studiert, hier wird Geld verdient und versucht, der Globalisierung ein Stückchen näher zu rücken. Dennoch sieht man trotzdem natürlich wie überall in Indien kleine Shops, in denen Bananen, Shampoo, Kaugummis, Süßigkeiten und verschiedenste Dinge verkauft werden… in Indien sind diese Shops fast so häufig verbreitet, wie es Sand am Meer gibt.

Zunächst haben wir uns also in Mangalore ein Hotelzimmer gesucht, was wir dann auch nach längerem Suchen gefunden haben: ein Doppelzimmer für 300 Rupien, das sind umgerechnet 5 Euro!! Natürlich kann man von so einem Zimmer nicht sehr viel erwarten, doch für eine Nacht ist das völlig ok und so lange keine Krabbelviecher über, unter oder auf mir herumkrabbeln, bin ich eigentlich sehr zufrieden! Wie ihr seht, man schraubt hier seine Ansprüche um einiges herunter… Am Abend sind wir dann noch ins Kino gegangen und früh ins Bett, um am nächsten Tag einigermaßen fit zu sein. Am Sonntagmorgen hatten wir erst einmal ein ausgiebiges westliches Frühstück, worauf man sich natürlich nach mehreren Wochen Reisessen auch wirklich freut. Anschließend sind wir mit dem Bus zum Strand gefahren: nach mehreren Minuten laufen durch ein Industriegebiet kamen wir dann an. Mit dem Strand in Goa kann man das natürlich überhaupt nicht vergleichen, trotzdem haben wir es genossen, durch das Wasser zu laufen und die warme Sonne auf unserer Haut zu spüren. Im Vergleich zu Suntikoppa, das ja mitten in den Bergen liegt und wirklich angenehmes Klima hat, ist es an der Küste unerträglich heiß und man muss bei der Sonne wirklich aufpassen. Wo in Goa die Touristen in Badeklamotten am Strand liegen, geht es am Strand in Mangalore natürlich etwas anders zu: die Inder stehen alle am Wasser, nur wenige sitzen, keiner liegt gemütlich auf einem Handtuch, und natürlich sind nur sehr sehr wenige im Wasser und dann auch nur Männer. Vor allem bei den muslimischen Frauen, die vollkommen verschleiert und in schwarz gekleidet sind, fragt man sich, ob diese in ihrer Kleidung bei dem heißen Wetter nicht eingehen. Nach ungefähr zwei Stunden (in denen wir natürlich mal wieder oft „heimlich“ fotografiert wurden – mich würde ja mal interessieren, in wie vielen Wohnzimmern wir schon hängen) haben wird dann beschlossen, diesen etwas ungemütlichen Strand zu verlassen und uns noch einmal in Mangalore ein bisschen umzuschauen. Viel gibt es dort nicht zu sehen und durch die Hitze macht es auch nicht wirklich sehr viel Spaß, sich groß fortzubewegen, also sind wir natürlich mal wieder in der klimatisierten so westlichen Shoppingmall gelandet bis wir dann abends unseren Sleepingbus nach Goa genommen haben.







Am Montag waren wir dann endlich in Goa – nach einer etwas ungemütlichen und wieder einmal holprigen Busfahrt!

Da uns am Sonntag mitgeteilt wurde, dass die Beachweek erst am Dienstag anfängt, hatten wir also den ganzen Tag für uns, bis am nächsten Tag der Rest der Gruppe ankommen sollte. Da es irgendwie nicht aufhören wollte zu regnen, sah dieser erste Tag in Goa dann nicht sehr vielversprechend aus und wir versuchten ein paar Unterschiede zum letzten Mal in Palolem festzustellen: es war zwar immer noch Nebensaison, doch fast überall sah man fleißige indische Bauarbeiter, die kleine Hüttchen am Strand aufbauen, um sich dann für Dezember und Januar (der Hauptsaison in Goa) zu wappnen. Am Dienstagmittag bekamen wir dann einen etwas verzweifelten Anruf von Rependra, dem Koordinator von Greenlion, der ganz alleine am Strand saß und nicht wusste, wo sich die Teilnehmer der Beachweek befanden. Also marschierten Sally und ich zum Strand und lernten den etwas aufgelösten Rependra kennen: er klärte uns ein bisschen auf, was wir diese Woche unternehmen werden und fürs erste waren wir wirklich begeistert von all den vielversprechenden Unternehmungen mit ihm. Mittags ging es dann gleich mit seinem „Programm“ los: wir liefen zu der benachbarten Insel, dort konnte man leicht hinüberschwimmen und was er uns über die schöne Aussicht dort erzählte, klang zunächst einmal vielversprechend. Noch im selben Moment, als wir schwammen, fing es an in Strömen zu regnen, doch eisern und diszipliniert wie unser Koordinator war, wollte er natürlich unbedingt zu der Insel. Über rutschige, kantige und große Steine liefen wir durch einen Bach inmitten von Gestrüpp, Pflanzen und gefühlten tausend Mücken und dazu hatte ich auch noch Kopfschmerzen. Als wir es durch den subtropischen Dschungel geschafft hatten und am Ende der Insel ankamen, verlangte unser lieber Rependra, wir sollten über große, vom Wasser rutschige Steine noch weiter! Und immer wieder die Worte: ihr müsst nur mental dabei sein. Grrr… Irgendwann habe ich dann von ihm verlangt, zurück zu gehen und war stinksauer, was wenn etwas passiert wäre? Schon nach den ersten paar Stunden mit unserem Koordinator hatte man das Gefühl, dass er nicht wirklich sehr weit denkt.

Am nächsten Tag ging es dann mit einem extra gemieteten Auto plus Taxidriver an einen anderen Strand in Goa, uns hat es natürlich total gefreut, dass wir auch mehr von Goa sehen konnten. An diesem Strand war total viel los, es war drückend heiß und so wurde uns angeboten, Parasailing auszuprobieren. Sally und mir war das für die kurze Zeit zu teuer und wie sich im Nachhinein auch herausstellte, hat der Mann die zwei anderen Mädels aus unserer Gruppe ein bisschen um die Nase herumgeführt. Nach den zwei Minuten in der Luft für 500 Rupien pro Person (umgerechnet sind das nicht einmal zehn Euro, doch für indische Verhältnisse ist das sehr teuer) schlenderten wir noch am Strand entlang und wurden von Rependra immer wieder darauf hingewiesen, dass wir doch am Wasser entlanglaufen und das Ganze auch ja genießen sollten! Gut, dass er uns daran erinnert hat, das hätten wir ja glatt vergessen. Anschließend saßen wir in einem schönen Restaurant mit Blick aufs Meer und konnten Spagetti und Lasagne essen. Am frühen Abend fuhren wir dann noch nach Calangute, wo wir noch einen anderen Strand sehen und ein bisschen durch das Städtchen schlendern konnten. Schließlich fuhren wir zurück zum unserem Gästehaus und schon auf der Fahrt habe ich mich nicht sehr wohl gefühlt. Als ich dann abends im Bett lag, habe ich Fieber bekommen und die Nacht nicht sehr gut geschlafen, was sich leider dann leider auch am nächsten Tag nicht sonderlich geändert hat - mein Fieber ging nicht herunter. Während ich schwitzend in diesem ekelhaften Hotelzimmer lag, saß meine liebe Sally ungefähr zwei Stunden mit Rependra auf unserem Balkon und hat mit ihm unser Budget für diese Woche ausgerechnet. Dieser Mann hat es tatsächlich nicht geschafft, für diese zwei Tage, die er mit uns verbracht hat, nachzurechnen, wie viel er ausgeben darf und wann es zu viel wird. Sally hat ihm also alles ausgerechnet und geduldig erklärt, dass er sich doch nächstes Mal alles etwas strukturierter aufschreiben soll, damit ihm solche Fehler nicht mehr unterlaufen. Am Abend ging es mir leider immer noch nicht besser und so mussten wir wohl oder übel in ein indisches Krankenhaus fahren. Rependra hatte uns glücklicherweise verlassen, um wieder zurück nach Bangalore zu fahren und seinen „Geschäften“ nachzugehen, wie auch immer er das in diesem verwirrten Zustand schafft: er konnte sich nach zwei Tagen noch nicht unsere Namen merken (und Sally und Lisa sind wohl keine schwierigen Namen!! ) und meinte auch, dass er manchmal seinen eigenen vergisst; außerdem hat er erzählt, dass er manchmal krank werde, wenn er etwas zu lange vor dem Kühlschrank stehe. Ihr seht also, dieser Mann war etwas merkwürdig. Mittlerweile schmunzeln wir sehr darüber und man sieht, man trifft in Indien unglaublich tolle Menschen wie Pervez in Mumbai, aber auch durchaus seltsame Menschen wie Rependra, der irgendwie von einer anderen Welt zu kommen scheint. Was das indische Krankenhaus betrifft, kann ich euch beruhigen, es war sehr sauber und der Arzt, der auch ziemlich gutes Englisch gesprochen hat, war sehr kompetent. Am nächsten Tag wurde mir also verordnet noch einmal zu kommen und so wurde festgestellt, dass ich eine Blasenentzündung habe und Antibiotika nehmen soll. Alles halb so schlimm also!






Am Sonntag ging es dann ENDLICH zurück nach Suntikoppa: in unserem geliebten Sleepingbus kamen wir dann um sieben Uhr morgens in Mangalore an und fuhren gleich weiter nach Madikeri. Nach ungefähr 15 Stunden Hoppeln und Ruckeln in irgendwelchen Bussen kamen wir dann in unserem schönen Suntikoppa an. Leider hat sich unsere gewünschte „Erholungswoche“ in Goa nicht als solche herausgestellt, doch schon während der Fahrt haben Sally und ich festgestellt, dass auch so etwas dazugehört und man im Nachhinein nur darüber schmunzelt… und indische Krankenhäuser nicht so schlimm sind, wie man denkt.
Außerdem lassen Sally und ich uns den Spaß nicht nehmen!


Mittlerweile sind wir seit eineinhalb Wochen wieder im Projekt und fühlen uns sehr wohl. Wenn man herumreist, in ekligen Zimmern schläft, Essen isst, von dem man Durchfall bekommt und auf merkwürdige Menschen trifft, merkt man doch, wie schön es eigentlich in unserem Projekt ist. Das Wetter ist total angenehm, die Sonne scheint, es regnet natürlich ab und zu, aber trotzdem ist es hier nicht so schwül wie in Goa beispielsweise. Außerdem macht die Arbeit mit den Kindern nachwievor sehr viel Spaß und man freut sich umso mehr, wenn man mit einigen Kindern schon kleine Fortschritte macht!

In ungefähr einer Woche ist schon Halbzeit von meinem Auslandsaufenthalt und ich wundere mich jeden Tag mehr und mehr, wie schnell es doch vergeht. In drei Wochen werden Sally und ich unser Projekt noch einmal für zwei Wochen verlassen, um zunächst nach Hampi zu fahren, dort werden wir alte Ruinen, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehören, ansehen. Anschließend geht es dann nach Varanasi, dort möchten wir den berühmten Ganges mit seinen vielen Besuchern und Bräuchen anschauen und schließlich fahren wir weiter nach Kalkutta! Von dort aus geht es dann zurück nach Chennai und Bangalore. Schaut ihr auf einer Indienkarte, seht ihr, dass wir mal wieder sehr lange Strecken zurücklegt, die natürlich auch ihre Zeit brauchen: mehrere 24 Stunden Fahrten. Mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt, denn vieles braucht hier eben mehr Zeit, als in Deutschland… Geduld ist hier also wichtig, schon wenn man zum Einkaufen geht und der Angestellte alles von Hand auf einen Zettel schreibt und dies dann mit dem Taschenrechner ausrechnet!

Viele liebe und sonnige Grüße aus dem schönen Suntikoppa sendet euch

Eure Lisa!!