Hallo nach Deutschland!
Schon fast die vierte Woche im Projekt! Unglaublich, schon fast zwei Monate hier in Indien zu sein und natürlich möchte ich auch dieses Mal wieder davon berichten.
Aber erst einmal wieder von vorne… wir waren bis zum 10. September in Goa, um ungefähr 19.00 (wir haben natürlich erst einmal eine knappe Stunde auf den Bus gewartet) ging es nach fünf Tagen Strand und Nichtstun wieder zurück nach Bangalore: mit dem „Sleepingbus“. Das hört sich beim ersten Lesen angenehmer an, als es tatsächlich ist. Zwar muss man die zwölf Stunden, die man von Goa bis nach Bangalore fährt, nicht sitzen, sondern kann liegen und auch schlafen, doch es holpert einfach ununterbrochen. Es schleudert einen förmlich hin und her. Aber auch diese zwölf Stunden bekommt man irgendwie herum und so kamen wir dann um sieben Uhr morgens in Bangalore an. Ungefähr zwei Stunden später saßen Sally und ich, nachdem wir uns von den anderen Volontären verabschiedet haben, schon wieder im nächsten Bus auf dem Weg nach Suntikoppa, wo sich unser Projekt befindet. Wir mussten uns öfters durchfragen, um dann auch in dem richtigen Bus zu sitzen, doch mittlerweile sind wir ganz gut, was irgendwelche Busverbindungen hier in Indien angeht. Und man muss wirklich dazusagen, dass es hier nicht so wirklich Busfahrpläne oder ähnliches gibt. Und leider stehen hier so manche Dinge nicht unbedingt auf Englisch, sondern nur auf Kannada, dem Dialekt in Karnataka. Nach ungefähr sieben Stunden Fahrt kamen wir dann in Suntikoppa an, sehr klein, sehr überschaulich. Von dort aus mussten wir dann noch eine Rikscha nehmen, um in unser Projekt zu kommen.
Und dann hatten wir es ENDLICH geschafft: wir waren angekommen. Total übermüdet und geplättet von dem langen Fahren, waren wir froh, unsere neue Wohnung, in der wir die nächsten vier Monate leben, beziehen zu können.
Uns wurden zunächst die Lehrerinnen vorgestellt und danach wurden wir von den Leitern unseres Projekts zu unserer kleinen Wohnung geführt. Wir wohnen in einem extra Volontärhaus gleich neben der Schule: wir haben dort ein Schlafzimmer, ein großen Vorraum mit einem Esstisch und auch eine Art Küche, in der jedoch kein Herd ist, somit kann man dort nicht wirklich kochen. Braucht man aber nicht, denn für Essen wird hier gesorgt.
Am Montag war dann der erste Unterrichtstag: Hier gibt es fünf Klassen mit ungefähr sieben bis zehn Schülern – diese Klassen gehören zur „Rehabilitation School“. In der ersten Klasse sind Kinder, denen man alltägliche Dinge wie Zähneputzen, aufs Klo gehen und ähnliches, beibringen muss. Viele dort machen sich auch öfters am Tag in die Hose, man muss sich also schnell daran gewöhnen, dass die Kinder öfters nach Urin riechen. In den anderen Klassen sind dann Kinder, die schon Lesen und Schreiben können, jedoch oft Buchstaben falsch schreiben und verwechseln. Manche sind noch dabei, zu lernen, wie man den eigenen Namen schreibt oder die Adresse auf Kannada, andere lernen schon englische Wörter, das Alphabet, Zahlen und wieder andere sind schon soweit, dass sie mit größeren Zahlen rechnen können und deren Englisch auch schon etwas besser ist. Viele Kinder sind somit verschieden weit von den Fähigkeiten und trotzdem in einer Klasse. Jedes Kind wird also in einer Unterrichtsstunde anderweitig beschäftigt: Manche müssen verschiedene einfache englische Wörter immer wieder schreiben, um sie so zu lernen. Unsere Aufgabe ist dann, zum Beispiel „Cat, Dog, Mouse“ oder ähnliche englische Wörter aufzuschreiben und das nachgeschriebene zu korrigieren. Diese Unterrichtsmethode erschien uns am Anfang und auch jetzt noch etwas fragwürdig, aber anscheinend scheinen die Kinder es so zu lernen. Zwar dauert es eine Weile, bis sie das fehlerfrei können, aber man darf nicht vergessen, dass das alles Kinder sind, die eine Behinderung haben. Angefangen vom Down-Syndrom, Hyperaktivität, Autismus bis hin zu Kindern, die schlicht eine Lernschwäche haben und zurück geblieben sind. Zudem gibt es dann noch einen Raum, in der Papiertaschen aus Zeitungen gemacht werden mit Kleister und einer guten Falttechnik, eine Nähklasse gibt es dann noch: dort werden Tragetaschen, die Uniformen, Tischtücher zum Verkaufen und ähnliches genäht und es gibt noch eine Klasse, in der schöne Karten mit gepressten Blumen gemacht werden. Dies ist dann die „Special School“ mit etwas älteren Schülern mit verschiedenen Behinderungen, die ganzjährig dort arbeiten.
Danach waren wir in einer der höheren Klassen, dort konnten wir dann mit den Kindern schon rechnen und englische Wörter schreiben. Viele sind wirklich sehr weit und ihnen muss man nichts mehr erklären, sie rechnen eigenständig, während man mit anderen jeden einzelnen Buchstaben eines englischen Worts durchgehen muss. Uns erschien es also zunächst sinnvoller, wenn wir zu zweit in die kleinen Klassen gehen, um so jedem Kind irgendwie gerecht zu werden. Denn das mussten wir am Montag wirklich: von den Lehrerinnen war keine wirklich anwesend. Wir waren natürlich etwas verwirrt, was das für ein Unterrichtskonzept ist, dass die Kinder hier einfach alleine gelassen werden, doch wir stellten bald fest, dass der Grund ein Theaterstück war, das die Kinder geprobt haben. Dadurch war in der gesamten Schule irgendwie ein Durcheinander und Gewusel, überall wo man hinschaute. Am Dienstag erging es uns genauso, wir versuchten trotzdem, ein wenig Unterricht mit den Kindern zu machen.
Am Mittwoch war es dann soweit, nachdem die Kinder ihre Generalprobe hatten und alle geschminkt und ihre Kostüme anhatten, ging es los. Wir fuhren mit dem Schulbus ungefähr zwei Stunden in ein Dorf. Hier fand ein Abend statt, an dem junge Unternehmer in Indien Preise erhielten für ihre Tätigkeiten und dort sollten die Kinder ihr Theaterstück aufführen! Wir fragen uns zunächst, ob auch alles wirklich klappen würde, da die Generalprobe etwas durcheinander war und noch nicht danach aussah, als wären die Kinder wirklich bereit für ihren Auftritt, obwohl sie das Stück schon mehrere Male aufgeführt hatten. Doch als es dann endlich begann (wir durften uns erst noch ein paar Reden auf Kannada anhören), waren wir total überrascht. Trotz verschiedener Behinderungen, haben die Kinder ein Theaterstück zusammenstellen können, welches wirklich interessant war: mit Tanz, Gesang und vielen Sprechpassagen. Wir konnten ja leider nicht verstehen, was genau die Kinder sagen, doch wir fanden es ziemlich beeindruckend, mit wie viel Energie und Leidenschaft das Theaterstück von ihnen aufgeführt wurde.
Es ging um einen Jungen, der verschiedene Erfahrungen mit dem Tod gemacht hatte und nun auch in den Himmel möchte, da dort das Leben für ihn viel schönere Dinge bietet als in der Gegenwart. Die Hindus streben auch in ihrer Religion nach dem Nirvana, also das Ziel, in den Himmel zu kommen, da es dort keine Krankheiten, keine Armut und ähnliches gibt, sondern nur Gutes.
Zu unserem Tagesablauf hier: jeden Morgen um Acht gibt es Frühstück, um neun ist dann die Yogastunde, danach eine kurze Pause und um 10 Uhr fängt dann der Unterricht an. Eine Dreiviertelstunde, danach ist Milchpause J Nach der Milchpause ist dann noch einmal bis um 12.30 Uhr Unterricht und danach gibt es für alle Kinder Mittagessen. Um 13.30 Uhr geht’s dann auch schon weiter bis um 15.00 Uhr, danach noch eine Stunde Games für die Kinder und schon ins der Schultag zu Ende. Die meisten der Kinder schlafen hier im Projekt in Gemeinschaftsräumen.
Nach der ersten Woche im Projekt sind wir dann wieder nach Mysore gefahren und haben dort Judith, eine Freundin von Sally getroffen. Sie arbeitet normalerweise in einem sozialen Projekt in Bangladesch und war schon eine Woche alleine in Indien unterwegs, um ihr bengalisches Visum zu verlängern. Sie fuhr also mit uns ins Projekt - wir hatten zwei wirklich tolle Wochen mit ihr und sehr sehr viel Spaß.
Eine Lehrerin, Reshma, hat dann ab unserer zweiten Woche im Projekt gefehlt, das heißt eine Klasse war komplett ohne Lehrerin. Anfangs waren wir etwas irritiert, weil uns niemand Bescheid gesagt hat, dass wir dann dort unterrichten müssen. Wir beschlossen also, dass dort immer zwei von uns sein sollten, denn alleine in dieser Klasse zu Recht zu kommen, stellte sich als schwieriger heraus. Viele Kinder in der Klasse haben eine starke Lernschwäche, man muss also mit manchen tatsächlich erst einmal von eins bis zehn zählen üben, während andere dann wiederum weiter sind, jedoch nicht still sitzen können und die Aufmerksamkeit dann schnell weg ist. Die Mandalas, die ich mitgebracht habe, haben sich dann wirklich bewährt und so malten wir am Ende mit den Kindern und haben so das Klassenzimmer verschönert.
Am Mittwoch (6.Oktober) war der erste Ferientag, ungefähr 40 Kinder wurden von ihren Eltern abgeholt und kehren erst am 19.Oktober wieder zurück. Wir bleiben solange im Projekt und wollen mit der „tailoring class“ nähen lernen, mit der „paperbag class“ Papiertaschen aus Zeitungen falten und mit den Frauen aus der Küche kochen. In unserer freien Zeit schauen wir viel Scrubs, lesen, laufen nach Suntikoppa oder machen Spaziergängen – die Umgebung hier ist wunderschön, so sieht man, wenn man sich etwas weiter von unserem Projekt entfernt, einen großen See umgeben von Reisfeldern und einer tollen Landschaft!
Dieses Wochenende planen wir, die Umgebung ein bisschen unsicher zu machen und uns Madikeri, was ungefähr eine halbe Stunde von Suntikoppa entfernt ist, anzuschauen. Nächste Woche werden wir dann wieder häkeln, nähen, den Älteren helfen und kochen. Und am 18. Oktober geht’s dann schon wieder für eine Woche nach Goa. Langweilig wird’s uns hier also wirklich nicht, wie ihr seht!
So, nun hattet ihr mal wieder eine Menge zu lesen! Ich hoffe natürlich, ihr seid bis ans Ende gekommen. Sobald es wieder etwas spannendes zu berichten gibt, melde ich mich natürlich.
Viele liebe Grüße aus dem wunderschönen Indien,
eure Lisa
Hallo Lisa,
AntwortenLöschenes ist spannend dein Leben zu verfolgen.
Ich verschlinge deine Zeilen.
Dein Tantchen Tina